Zurück Interdisziplinäres Forum »Jüdische Geschichte und Kultur in der Frühen Neuzeit und im Übergang zur Moderne«
zurück

Referate der 6. Arbeitstagung, 11. – 13. Februar 2005

weiter

Aktuell

Tagung 2018

Tagung 2017

Tagung 2016

Tagung 2015

Tagung 2014

Tagung 2013

Tagung 2012

Tagung 2012

Tagung 2011

Tagung 2010

Tagung 2009

Tagung 2008

Tagung 2007

Tagung 2006

Tagung 2005
( 1 ) ( 2 ) ( 3 )

Tagung 2004

Tagung 2003

Tagung 2002

Tagung 2001

Tagung 2000

Publikationen

Kontakt

»Jüdisches« in Inventaren, Pfändungs- und Schadenslisten

Wolfgang TREUE

Die folgenden drei Referate beschäftigten sich mit Inventaren als Quelle zur jüdischen Alltagsgeschichte. Zunächst stellte Wolfgang Treue (Düsseldorf) allgemeine Überlegungen zum »Aussagewert von Inventaren« an. Da die Zahl der erhaltenen Realien zur frühneuzeitlichen Alltagsgeschichte sehr begrenzt ist, stellen schriftliche Quellen – neben bildlichen – eine wichtige und notwendige Ergänzung für die Sachkulturforschung dar, wobei gerade Inventare bei angemessener Interpretation eine Fülle von Informationen zu liefern vermögen.

Wie nicht anders zu erwarten, zeigen sich beim Vergleich von Inventaren christlicher und jüdischer Haushalte vor allem große Übereinstimmungen, da es hinsichtlich der Gegenstände des täglichen Lebens wenig Gründe gab, sich bewußt oder unbewußt von einander abzusetzen. Dort, wo mit der Kaschrut der religiöse Bereich berührt wird, waren natürlich Unterschiede vorhanden, die in den Inventaren allerdings selten erkennbar sind, da etwa die Existenz von zweierlei Geschirr von den zumeist christlichen Schreibern entweder nicht zur Kenntnis genommen oder nicht erwähnt wurde, weil es bei der Aufnahme vor allem um den materiellen Wert der Gegenstände ging. Aufschlußreicher sind die Beschreibungen von kultischem Gerät wie z. B. Leuchtern, Megillot oder T´fillin, das sich als eindeutig jüdisch qualifizieren ließ und meist zugleich einen Wert repräsentierte. Im Fall spezifischer Kleidungsstücke wie etwa der sogenannten »Schabbesmäntel« werden aus den Inventaren oft sogar mehr Details hinsichtlich der Applikationen und Accessoires ersichtlich als auf zeitgenössischen bildlichen Darstellungen erkennbar sind.

Die Auswertung einer größeren Zahl jüdischer Inventare läßt außerdem eine Konzentration bestimmter Gegenstände erkennen, die zwar nicht »spezifisch jüdisch«, aber in christlichen Haushalten erheblich seltener zu finden waren. Dazu gehören neben Büchern auch Geräte, die der Ausübung bestimmter Gewerbe dienten, wie Glaserwerkzeug oder Musikinstrumente. Sie zeugen von der Verbreitung der vielerorts zunftungebundenen Tätigkeit als Fenstermacher und Spielmann.

zurück zum Programm