Zurück Interdisziplinäres Forum »Jüdische Geschichte und Kultur in der Frühen Neuzeit und im Übergang zur Moderne«
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Bericht über die 1. Tagung, 11.–13. Februar 2000

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Regionale und nationale Geschichten und Handbuchkonzepte waren ein weiterer Schwerpunkt der Tagung. Heidemarie PETERSEN referierte über »Juden in Polen am Beginn der Frühen Neuzeit«, einer Zeit, in der sich die politischen Rahmenbedingungen jüdischen Lebens durch die Verschiebung der politischen Kräfte hin zum Adel veränderten. Äußerlich waren die Juden am Landesausbau Richtung Südosten beteiligt, neue Gemeinden wurden gegründet. Und damit änderte sich nach innen die Organisationsstruktur, die sich mit dem 1580 gegründeten Vierländerrat (Waad) ausdiffernzierte, der mit seinen obrigkeitlichen Funktionen innerhalb der Judenschaft zu einem Teil des ständischen Systems wurde. Stefan LITT präsentierte Arbeitsergebnisse zu »Territorialen Organisationsformen der Juden in Thüringen vom 15.–18. Jahrhundert« und zeigte damit Ansätze innerjüdischer Organisationsstrukturen in einer territorial zersplitterten Landschaft, in der es seit der zeittypischen Zäsur im 15. Jahrhundert wenig kontinuierliche Entwicklungen jüdischen Lebens und v.a. institutioneller Verdichtungen gab. Das thüringische Zentralgebiet der Wettiner wurde sogar ganz von Juden freigehalten.

Einen Blick auf Konzept und Stand der Arbeiten an dem umfangreichen Projekt der »Germania Judaica« gewährten Stefan ROHRBACHER, Wolfgang TREUE und Birgit KLEIN anhand der Regionen Hessen-Marburg und Kurköln. Der Beitrag von Nathanja HÜTTENMEISTER zum Herzogtum Westfalen fiel krankheitsbedingt leider aus. Debattiert wurde u.a. der Umgang mit der vohandenen Quellenfülle, die – anders als in den ersten drei Bänden der »Germanica Judaica« – einen selektiven und interpretativen Ansatz erforderlich macht. Die Präsentation der Recherche-Ergebnisse für das Handbuch wird in Form von Gebiets-Faszikeln erfolgen. Den Quellenfundus und die Konzeption des kleineren österreichischen Pendants der "Austria Judaica" stellte Barbara STAUDINGER aus Wien vor: Da es in Kärnten und Steiermark seit 1496 keine Juden mehr gab, lag der Siedlungsschwerpunkt mehr im Osten. Bei einer insgesamt schwierigen Quellen- und Bearbeitungssituation für das 16. und 17. Jahrhundert – der Schwerpunkt liegt hier auf Wien und eher normativen Ansätzen – konstatierte sie auch für Österreich die bekannte Zäsur jüdischen Lebens im 15./16. Jahrhundert.

Claudia ULBRICH zeigte Erkenntnismöglichkeiten über christlich-jüdische Beziehungen aus der Mikro-Perspektive auf. In ihrer Studie über ein Dorf im deutsch-französischen Grenzgebiet, die sie methodisch und inhaltlich vorstellte, versuchte sie, das häufig bemühte Gegensatzpaar von (christlichem) Zentrum und (jüdischer) Peripherie aufzuheben und arbeitete statt dessen mit einem Perspektivenwechsel: Ulbrich richtete den Blick sowohl auf die christliche als auch auf die jüdische Gemeinde und analysierte von diesen Fluchtpunkten aus die Verflechtungen und Konflikte im Umgang von Juden und Christen miteinander. Ein aktiver Gestaltungswillen des christlich-jüdischen Verhältnisses und ein bewußter Gebrauch der Öffentlichkeit ließ sich für die jüdische Führungselite des Dorfes ausmachen.